AllgemeinPDA – Pathalogical Demand Avoidance Syndrom

PDA – Pathalogical Demand Avoidance Syndrom

PDA – Pathalogical Demand Avoidance Syndrom

PDAS – Pathological Demand Avoidance Syndrome*

Auszüge aus dem Buch „Understanding Pathalogical Demand Avoidance Syndrome in Children“ von Phil Christie, Margaret Duncan, Ruth Fioler und Zara Healy
Übersetzung und Zusammenfassung: Mirjam Ramel-Schlesinger Ergänzungen: Dr.med. Thomas Girsberger
Definition
*Der Begriff PDAS kann schlecht wörtlich übersetzt werden, am ehesten trifft folgende Umschreibung zu: „krankhaftes“ = ausgeprägtes Verweigern und Vermeiden von Aufträgen/Anforderungen aus dem Alltag.

1. Im ersten Lebensjahr oft sehr passiv. Greifen z. Bsp. nicht nach dem Spielzeug oder lassen es gleich wieder fallen.

2. Fortwährendes Verweigern und Widerstand bei täglichen Anforderungen. Die Strategien des Verweigerns wirken oft sozial manipulativ. Die Kinder werden oft als Experten der Verweigerung beschrieben. Die Aufforderungen und Erwartungen werden aus einem von Angst getriebenem Bedürfnis nach Kontrolle heraus verweigert. Dies betrifft auch so einfache Dinge wie die Bemerkung „es ist Zeit zum Aufstehen“.

3. Oberflächlich gesehen gutes soziales Verhalten, aber ein Mangel an sozialem Identitätsgefühl, Stolz und Scham. Die Kinder sind sehr Menschen- orientiert, zeigen eine Art Empathie, aber ohne wirkliches Verständnis für das Befinden des Gegenübers. Die Kinder haben kein Gefühl für das Gefälle zwischen Erwachsenen und Kindern und fordern die gleichen Rechte wie die Erwachsenen. Sie haben grosse Mühe Anschluss zu Gleichaltrigen zu finden, wünschen sich aber sehnlichst Freundschaften.

4. Labile Gemütsverfassung, impulsiv, zwingendes Bedürfnis zu kontrollieren. Switchen in der Gemütsverfassung von einem Extrem zum andern, fast wie wenn man den Lichtschalter dreht. Die jeweiligen Gefühle zeigen eine Dramatik wie in einem Theater. Diese Gefühlswechselbäder entstehen aus dem starken Drang heraus, eine Situation kontrollieren zu müssen.
5. Fühlen sich sehr wohl in Rollenspielen und verstellen sich gerne. Diese Kinder haben eine gute Fähigkeit für Mimik und sich in andere Rollen hineinzuversetzen und dies nicht in einer repetitiven oder nur abgeschauten Art. Wenn sie mit Anderen solche Rollenspiele spielen, dominieren sie das Geschehen völlig und versuchen herumzukommandieren. Manchmal wird das Verstellen im Spiel so sehr zur eigenen Person, dass die Kinder nur schwer wieder aus der Rolle herausfinden.

6. Eine Verspätung in irgendeinem Bereich des Spracherwerbes kann vorkommen, muss aber nicht. Wenn vorhanden, wird der Rückstand plötzlich und auffallend rasch aufgeholt. Manchmal besteht am Anfang nur das begrenzte Sprechen mit Echolalie, bis zum 6. Lebensjahr hat sich dann aber eine komplexe Sprechweise entwickelt. Tendenziell bestehen weniger Schwierigkeiten mit der Pragmatik der Sprache (den nonverbalen Aspekten, die die Sprache zu Kommunikation werden lassen). Die Meisten entwickeln ein sehr fliessendes Sprechen und ein gutes Verstehen der Sprache. Sie haben aber Probleme mit dem Verarbeiten des Gehörten, was immer wieder zu Missverständnissen und Unterbrechungen in der Unterhaltung führt.

7. Zwanghaftes Benehmen. PDA-Kinder unterscheiden sich in ihren Spezialinteressen von ASS-Kindern dadurch, dass ihre Fixierung eher sozialer Natur ist und es sich oft um spezifische Einzelpersonen dreht, wie z.B. Musiker/SängerInnen oder Filmstars.
8. Neurologische Beteiligung. Dieser Aspekt ist noch wenig erforscht. Die Kinder sind oft sehr ungeschickt und wirken körperlich eher plump. Geht es aber um die Befehlsverweigerung, „flitzen“ sie sofort in grosse Aktivität.

Schlüsselcharakteristik beim Schulkind

1. Bedürfnis zu kontrollieren. Das Kind fühlt das Bedürfnis, die Wahl der Aktivitäten zu kontrollieren. Es hat Mühe, Instruktionen und Anweisungen zu befolgen.

2. Explosives Benehmen, vor allem dann, wenn etwas schief geht. Es weiss nicht, wie man um Hilfe fragt und benutzt dann einen ganzen Katalog an Strategien und Argumenten, um eine Anforderung nicht auszuführen. Dies schliesst das Verwirren von Leuten ein, das Herumkommandieren derselben, um diese tun zu lassen, was sie selber tun sollten. Die Angst etwas zu tun kann so gross werden, dass sie explodieren oder einen Meltdown („Kernschmelze“, „Ausflippen“, der totale Zusammenbruch im Benehmen) produzieren. Dies führt dann zu Geschrei, Dinge umherwerfen und physischen Ausrastern, die aus dem Nichts zu kommen scheinen und sehr dramatisch sind.

3. „Verschwinden unter dem Radar“. Kinder mit einem weniger explosiven Charakter erscheinen toleranter und finden Wege, sich in die Lernumgebung einzufügen. Sie spielen dann die Rolle des angepassten Kindes, schalten aber vom aktuellen Lernen ab und bekommen nicht genug mit. Sie sind dann fleissig im „nichts Hinkriegen“.

4. Bedrohende Sprache. Explosives und aggressives Benehmen auf der Grundlage aufkommender Panik führt zu gewalttätiger, obszöner und schockierender Sprache in einem solchen Ausmass, dass Erwachsene es unmöglich ignorieren können.

5. Wenig Selbstachtung. Dies zeigt sich dann bei Anforderungen als erstes in den Äusserungen „mag ich nicht, kann ich nicht, tu ich nicht“. Sie „können nicht wollen“ bei einer spezifischen Anforderung. Oft setzen sie sich unvernünftig hohe Anforderungen, bei Nichterfüllung leidet der Selbstwert enorm.

6. Drücken den Wunsch aus, gleich oder besser zu sein als jemand anders. Diesen Anspruch erheben sie, ohne die Notwendigkeit zu sehen, etwas dafür zu tun. Da sie Mühe haben die Instruktionen und Anforderungen zu befolgen, können sie keine befriedigenden Fortschritte machen. Sie anerkennen auch nicht, dass andere ihre Leistung durch Üben erreicht haben.

7. Wünschen sich Freundschaften, sabotieren sie aber unabsichtlich. Diese Sabotage zeigt sich durch ihr dominantes, manipulatives oder vermittelndes und einteilendes Verhalten. Andere werden irregeführt durch das scheinbare (aber nicht wirklich vorhandene) gute soziale Verhalten und die gezeigte Empathie. Das Kind beschuldigt andere für Fehlschläge, auch dann, wenn es das Resultat des eigenen Verhaltens ist. Dies zeigt sich in lang anhaltendem Groll und „auf Rache sinnen“ für früher wahrgenommene Ungerechtigkeiten.

8. Mangel an Beständigkeit und Umsetzungsfähigkeit beim Lernen und bei Erfahrungen. Dies bedeutet, dass das Kind nach längeren Perioden guten Benehmens und Fortschritten plötzliche und dramatische Rückschritte macht. Gute Lernzeiten entstehen oft, wenn es den Lehrern gelingt, die Lernumgebung (Reduktion und Prioritäten setzen in den Anforderungen, modifizieren des Stundenplanes, gute Lehrer-Kind Beziehung) gut zu gestalten. Ändert daran etwas, fällt das Kind ins alte Muster zurück. Es ist enorm schwierig, langanhaltende Veränderungen im Kind selber zu bewirken.

9. Sehr wenig emotionale Regulation. Das Kind hat starke Stimmungswechsel innerhalb von Minuten und Stunden, aber auch über Wochen und Monate. Der Toleranzlevel ist stark stimmungsabhängig und zeigt sich dann in Tagen völliger Unproduktivität und Verweigerung der Anforderungen. Oft erkennt man eine emotionale Erschöpfung beim Kind, hervorgerufen durch das ständige Wachsam sein in Bezug auf die nächsten Anforderungen. Erwachsene werden genauso erschöpft in der Betreuung solcher Kinder, weil sie immer in Alarmbereitschaft sind bezüglich des nächsten Ausbruchs.

10. Veränderlichkeit im Benehmen. Stimmungswechsel oder -phasen haben eine grosse Bandbreite und Unbeständigkeit und sind völlig unberechenbar. Eltern und Lehrer beschreiben den Umgang als „Laufen auf Eierschalen“ und als „eingehüllt sein in einem falschen Gefühl von Sicherheit“ nach einer Zeit guten Benehmens.

11. Umfassende Verstrickung in Fantasie- und Rollenspielen. Dies führt zu einem abschalten des Kindes, es geht in der Rolle so sehr auf, dass es sich damit gänzlich identifiziert und Probleme bekommt, wenn es die Allmachtgefühle der Figur übernimmt.

Positive Strategien für den Alltag

Allgemein:

Zugang zu Bildung im sozialen und schulischen ermöglichen
Anleitung zu gutem Umgang mit der Angst und dem daraus resultierenden Verhalten geben
Unterstützung für positiven Umgang mit Gleichaltrigen geben
ein effektives Team aufbauen und pflegen, welches das Kind und seine Familie unterstützt
klug wählen, was wirklich Priorität hat
Anforderungen an das momentane Toleranzniveau anpassen
lernen die sogenannten „Meltdowns“ zu managen

In der Schule:

eine persönliche Bindung zum Kind aufbauen
vermeiden von direkten Anordnungen
ruhig bleiben, die eigenen Gefühle zuerst ausgleichen
flexibel und anpassungsfähig bleiben
strukturiertes Unterrichten und visuelle Unterstützung geben
auf den Stärken und Interessen des Kindes aufbauen
Theater und Rollenspiele verwenden
überwachen und anpassen der eigenen Sprache – vermeiden von direkten Aufforderungen
entpersonalisieren der Anforderungen und Bitten
Umgebung sicher und lernfreundlich gestalten

In der elterlichen Erziehung:

Anforderungen reduzieren
verschleiern der Anforderungen
ablenken
Wahl geben, statt fordern
unerwünschtes Benehmen ignorieren
flexibel und anpassungsfähig bleiben
ruhig und neutral bleiben

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