ADHS/ADSDyskalkulie (Rechenschwäche)

Dyskalkulie (Rechenschwäche)

Dyskalkulie (Rechenschwäche)

häDyskalkulie (Rechenschwäche)

Unter Dyskalkulie versteht man eine Beeinträchtigung des arithmetischen Denkens. Schon im Kindergartenalter entwickeln die Kinder ein Verständnis für Zahlen und Mengen. Dieses Wissen wird in der Grundschule erweitert, so werden die Grundrechenarten erlernt und die Basis der mathematischen Logik eingeprägt. Alle Lernschritte bauen auf den vorangegangenen auf. Eine Dyskalkulie hemmt diesen Lernprozess hochgradig, betroffene Kinder verstehen Zahlen als Symbole und nicht als Angaben von Mengen. Somit fehlt bereits zu Beginn ihrer Schulkarriere das wichtigste Werkzeug der Mathematik. Rund 3-7% der Bevölkerung sind von dieser Teilleistungsschwäche betroffen.

In der Literatur werden häufig auch diese Ausdrücke verwendet: Arithmasthenie, Rechenschwäche, Rechenstörung oder Zahlenblindheit.

Definition

Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) sieht in der Dyskalkulie eine schulische Entwicklungsstörung und in der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (IDC-10) steht zu diesem Thema: «Diese Störung bezeichnet eine Beeinträchtigung von Rechenfertigkeiten, die nicht allein durch eine allgemeine Intelligenzminderung oder eine unangemessene Beschulung erklärbar ist. Das Defizit betrifft vor allem die Beherrschung grundlegender Rechenfertigkeiten wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division.»

Wichtig ist, dass eine Rechenschwäche nicht mit dem sogenannten Zahlenanalphabetismus verwechselt werden soll. Der Zahlenanalphabetismus bezeichnet die Unfähigkeit, Sachverhalte in Zahlen darzustellen bzw. zahlenmäßig dargestellte Sachverhalte zu verstehen. Gelegentlich werden Menschen, die Zahlenanalphabeten sind, als «Innumeraten» bezeichnet.

Ursachen der Rechenstörung

In der Regel sind numerische Fähigkeiten größtenteils unabhängig von der Intelligenz und dem Erwerb von Sprachkompetenzen, sie sind ein autonomer Bereich unserer kognitiven Begabungen. Über die konkreten Ursachen der Rechenstörung gibt es in der Wissenschaft unterschiedliche Erklärungsversuche und bis heute (Stand 2014) gibt es noch keinen eindeutigen Hinweis zu den Ursachen des Phänomens. Man geht davon aus, dass auch mehrere Faktoren die Entwicklung einer Rechenschwäche begünstigen können.

Ein Großteil der von einer Rechenstörung betroffenen Kinder zeigt während des Lösungsversuchs von leichten Rechenaufgaben im Vergleich zu anderen Kindern eine signifikant reduzierte Aktivität in jenen Hirnregionen, die zum neuronalem Netz der Mengen- und Zahlenverarbeitung gehören. Normalerweise erfolgt beim Lesen einer Ziffer eine automatische Aktivierung dieser Region, um ein Verständnis für die Menge herzustellen, bei Kindern mit einer Dyskalkulie fehlt diese Aktivierung in sehr vielen Fällen, Zahlen sind für sie wie „leere, nichts sagende Worte“.

Die genetische Komponente wird durch Zwillingsstudien unterstützt, welche Gene dafür aber verantwortlich sein könnten, ist noch unbekannt. Die Vererbung gilt somit als wahrscheinlich, den Beweis dafür gibt es aber noch nicht.

Symptome

Bei betroffenen Kinder zeigen sich unterschiedlichste Leistungsprofile und abweichende Symptom-Kombinationen. Aber allen fehlt das mathematische Grundverständnis und weitere Lernfortschritte können nur unzureichend erzielt werden.

Anzeichen im Vorschulalter

Schon bei den 5-Jährigen treten Probleme im mathematischen Frühverständnis auf, Beispiele:

  • Schwierigkeiten bei der Zuordnung von Mengen und Angaben zum Verhältnis (mehr, weniger, kleiner, größer)
  • Probleme beim Zählen von Gegenständen
  • Probleme bei der Zuordnung von Menge zu Zahlen
  • Unsicherheiten bei Maß- und Mengeneinheiten (Gewicht, Längenmaß, Zeit, Geld)

Anzeichen in der Grundschule

  • Schwierigkeiten beim Benennen und Schreiben von Zahlen.
  • Probleme in der grundlegenden Interpretation von Rechenlogik: Rechenschritte werden nicht verstanden und aus diesem Grund oftmals auswendig gelernt und nicht auf geänderte Aufgaben abgestimmt.
  • Mathematikaufgaben werden deutlich langsamer und dauerhaft nur mit Abzählen (Finger oder Zählhilfen) gelöst.
  • Zahlen sind als grundsätzliche Mengenangabe nicht zuordenbar, jede Zahl wird immer wieder von neuem durchgezählt.
  • Erschwernisse mit dem Dezimalsystem (dreiundvierzig als 34) und Stellenwerten (einhundertsechs – 1006)
  • Verwechslung der Rechenarten in Aufgaben
  • Textaufgaben können nicht in Zahlen übersetzt werden.
  • Größere Kinder sind mitunter in der Lage, die Basisrechenwege zu beherrschen, allerdings brauchen sie überdurchschnittlich viel Zeit dafür, weil die Resultate einfacher Rechenaufgaben nicht dauerhaft gespeichert werden können.

Dramatische Folgeerscheinungen einer Dyskalkulie

Rechenschwache Kinder sind einer besonders hohen psychischen Belastung ausgesetzt, denn durch das Fehlen des mathematischen Grundverständnisses gibt es für sie überhaupt keine Möglichkeit, eine gestellte Rechenaufgabe zu verstehen oder zu lösen.

Aber auch außerhalb der Schule geraten sie immer wieder in für sie peinliche Situationen, etwas beim Lesen der Uhrzeit oder beim Umgang mit Geld. Diese Belastungen und der zusätzliche schulische Leistungsdruck ziehen oftmals weitere Probleme nach sich.

  • Auffällige Angst vor Mathematik
  • Vermeidungsverhalten
  • Psychisch bedingte körperliche Beschwerden, wie Kopfschmerzen, Bauchschmerzen oder Übelkeit
  • Verlust von Selbstvertrauen, Schuldgefühle, Rückzug in die Einsamkeit
  • Konflikte mit den Eltern (Widerstand gegen Hausaufgaben), Motivationsverlust («Ich kann das sowieso nicht, ich bin so blöd.»)
  • Totale Schulverweigerung («Ich geh‘ da nicht mehr hin.»)

Diagnose einer Dyskalkulie

Eine möglichst frühe Diagnose ist besonders wichtig, weil die mathematischen Kompetenzen aufeinander aufbauen. Werden Schwächen frühzeitig beseitigt, gelingen die Lernfortschritte besser. Die Diagnose Rechenstörung stellen normalerweise spezialisierte Kinderärzte, Kinder- und Jugendpsychiater oder Schulpsychologen.

Neben der Durchführung standardisierter neuropsychologischer Tests sind auch die medizinische Untersuchung der zentralen Seh- und Hörverarbeitung, das Austesten kognitiver Fähigkeiten sowie der Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit wichtige Punkte. Auch die Unterrichtsqualität und familiäre Belastungen sollten thematisiert werden.

Dyskalkulie-Therapie

Nach der Feststellung der Kompetenzen und wo genau der Förderbedarf besteht, wird ein für jedes Kind individueller Trainingsplan erstellt. Danach erfolgt ein gezieltes Lerntraining, das auch die seelische Stabilität, die Motivation und Konzentration stärkt.

Während der Förderung ist auch eine ständige Verlaufskontrolle angebracht, so kann festgestellt werden, ob die Ziele erreicht worden sind und welche darauf aufbauenden Anforderungen das Kind als nächstes erwarten. Die Dauer einer Therapie ist nicht vorhersehbar, Experten sprechen aber von längeren Zeiträumen (Jahren).

(Quelle: schlaudino.com)

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